Was ist ein glückliches Neues Jahr?

Veröffentlicht: 31. Dezember, 2019 / 20:59 ims 0

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
das Wort Glück wird gerade im Zusammenhang mit dem Neuen Jahr ausgesprochen, aber nicht immer so richtig reflektiert. Was ist eigentlich Glück? Was meinen wir, wenn wir jemand ein glückliches Neues Jahr wünschen?

Manchmal sprechen wir vom Glück, wenn wir an etwas Zufälliges, Geschenktes, Nicht-Selbstgemachtes denken. Ein Lottosechser ist ein Glück, das man nicht planen und nicht wirklich erwarten kann, eine positive Note in der Schule, obwohl ich zu wenig für einen Test gelernt habe.

Manchmal wird aber das Wort Glück für das Gegenteil vom Pech verwendet. Wenn ich ausgerutscht bin und mich trotzdem nicht wirklich verletzt habe, sage ich; „Da habe ich wirklich Glück gehabt!“. Oder wenn ich eine Kerze auszublasen vergessen habe, und erst nach Stunden wieder nach Hause komme und trotzdem nichts passiert ist, habe ich Glück gehabt.

Und manchmal bezeichnet das Wort Glück die schönsten Momente des Lebens. Wenn ich etwas erfahren durfte, was mich mit einer echten, andauernden Freude erfüllte, sage ich „Das waren Momente des Glücks.“. Eine Begegnung nach Jahren, mit einer Person, die ich schon seit langem treffen wollte und damit verbundene Stunden beim Kaffee und einem guten Gespräch über Gott und die Welt, vermitteln uns das Gefühl des Glücks.

Was wünschen wir also den Menschen, wenn wir ihnen ein glückliches Neues Jahr wünschen? Eher die Momente des guten Zufalls, oder das Gegenteil vom Pech, oder möglichst viele Zeiten der andauernden Freude, oder alles auf einmal? Und kann man etwas dazu beitragen, dass wir im kommenden Jahr mehr Glück empfinden als in dem vergangenen, oder ist das Glück etwas nur Geschenktes und nach dem Sprichwort „mehr Glück als Verstand“, steht es immer im Gegensatz zum Planbaren und zum Machbaren?

In der heutigen Geschichte haben wir gehört, dass sich das Glück im Jetzt verbirgt, aber das Jetzt oft übersehen wird. Ja, wir leben nicht selten in der Erinnerung und haben vielleicht dadurch das Gefühl, dass das Glück nicht mehr da ist. Und oft leben wir in der Zukunft und malen uns Bilder aus, wie glücklich diese ausschauen könnte. Aber wenn wir aus einem solchen Tagtraum aufwachen, sind wir wieder in der Realität und haben das Gefühl, dass diese viel trister ist, als unsere Träume es sind.

Wer nicht im Jetzt lebt, hat nur bedingt Anteil am Glück des Lebens. Denn das Glück lässt sich gerade in der Gegenwart finden. Das Glück ist die Freude, die entsteht aus der Wahrnehmung des Guten und des Schönen, das mich umgibt und an dem ich teilhaben kann. Das Glück ist das Auskosten dessen, was meinem Leben Sinn gibt, was mein Leben bereichert und es entwickelt. Das Glück ist das Genießen von allem, was mir das Gefühl der Sicherheit und des inneren Friedens gibt. Das Glück ist also ein bewusstes Leben in der Gegenwart.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
haben wir Glück, dass wir in Österreich und nicht in einem der Kriegsgebiete der Welt leben? Haben wir Glück, dass es bei uns noch genug Wasser zum Trinken gibt und wir an der allgemeinen Entwicklung im Bereich der Kommunikation, der Technik und der Medizin teilhaben? Haben wir Glück, dass es bei uns Bildung für alle und Freiheit als Grundlage der Entscheidungen gibt? Haben wir Glück, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der als Liebe und als Frieden in die Welt eingetreten ist, der die Menschen nicht überwacht und nicht bedroht, sondern sie in seiner Barmherzigkeit und mit seiner Güte begleitet?

Wir haben genug Gründe, um an den meisten Tagen des Neuen Jahres glücklich zu sein. Wir haben genug Möglichkeiten, um die Schwierigkeiten des Neuen Jahres gut mit Hilfe anderer Menschen und mit Hilfe Gottes bewältigen zu können. Wir müssen nur ab und zu stehen bleiben und genießen, innehalten und uns freuen, hinsetzen und auskosten, was uns die Tage gebracht haben. Wir dürfen die Momente der Freude, der Zufriedenheit weder übersehen, noch als selbstverständlich abwerten. Wir sind dazu eingeladen, im Jetzt zu leben. Dann wird das Glück für uns kein Zufall sein und kein Gegensatz zum Pech, sondern ein dauerhaftes Gefühl, von Gott und von den anderen getragen zu sein, um bereits jetzt ein Stück des Himmels zu erfahren.

Slawomir Dadas
Pfarrer