Predigt am Christkönigssonntag

Veröffentlicht: 22. November, 2020 / 19:59 ims 0

Lesung 1Kor15,20-26.28
„Schwestern und Brüder! Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft entmachtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.“ 

Evangelium Mt 25,31-46
„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.

Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wie wichtig und gegenwärtig ist für mich eine Vollendung des Reiches Gottes in meinem Leben? Auf diese Frage werde ich in den Bibelstellen des Christkönnigssonntag, dem letzten Sonntag im Jahreskreis der Kirche, angesprochen. Meistens kommen hier Gedanken zu den letzten Dingen ins Bewusstsein und diese sind häufig verbunden mit Tod und Gericht, Himmel und Hölle.

Im heutigen Matthäusevangelium ist die Rede vom Gericht. Jesus Christus als unserer Erlöser und Heiland wird in der Herrlichkeit des Himmels erscheinen und alle Menschen werden sich versammeln. Diese Vorstellung eröffnet eine Freude, ein Glück der Vollendung aber oft auch Empfindungen der Abschreckung oder einer ängstlichen Distanz. Denn wir müssen Rechenschaft ablegen über die uns anvertrauten Talente, die uns mitgegeben sind. Von dieser Verantwortung im Umgang mit den uns geschenkten Gaben hörten wir am vergangenen Sonntag.

Heute stehen konkrete Situationen aus unserem Leben im Mittelpunkt. Wie ich meinen Mitmenschen begegne und mich ihnen auch annehme. Viele Menschen, die uns im Glauben vorausgegangen sind, und besonders Jesus selbst zeigen uns, wie entscheidend mein Verhalten in der Begegnung mit meinen Nächsten ist. Ja Christus begegnet mir heute schon, wenn auch nicht in seiner Herrlichkeit, sondern verborgen im Menschen, der mich aus seiner Not und Bedürftigkeit anschaut. Das hier und jetzt nimmt somit einen ganz besonderen Stellenwert gerade im Hinblick auf die Vollendung ein.

In diesem Hinblick kann es für mich anregend sein, dass ich immer wieder konkrete Schritte der Liebe zu Gott und zu meinen Nächsten setzte. Auch wenn eine direkte Begegnung im aktuellen Lock down oft physisch oft nicht möglich ist, so kann ich dies in Zeichen und Gesten probieren, in einen Anruf nachfragen, in den sozialen Medien Kontakt aufnehmen und so kreativ werden und mich anregen lassen.

Einen bedeutenden Ansatz wie ich mich auf diesem Weg mit und zu Christus auch im Advent einlassen kann stärkt nochmals der Ansporn den Paulus in seinem Brief im Blick auf das Ende mitgibt. Denn in großer Freude verkündet er der Gemeinde in Korinth, dass im Augenschein der Auferstehung Jesu der letzte Feind, der Tod entmachtet und besiegt ist. Dies ist für alle getauften Menschen das große Geschenk Gottes. Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern Gott, ist es, der über und in allem herrscht. Und so sind wir in seine Gemeinschaft an Kindes Statt aufgenommen und können aus seiner Lebenskraft schöpfen. Dieses Geschenk zeigt Paulus am Ende des Kapitels nochmals auf, wo es heißt: „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus. Daher, meine geliebten Brüder und Schwestern, seid standhaft und unerschütterlich, seid stets voll Eifer am Werk des Herrn und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist.“ Paulus möchte uns anregen aus der Kraft des Glaubens unser Leben zu gestalten, sodass wir uns immer eifriger auf das Wirken Gotten einlassen und mitmachen. So wird gerade aus den oft unscheinbar kleinen Handgriffen und Gesten in unserem konkreten Lebensalltag immer auch die Gegenwart Gottes deutlich sichtbar und von den einzelnen Menschen auch tatsächlich erfahren.

Für mich als Christin, als Christ stellt sich somit die Frage ob, wann und wie die Vollendung des Reiches Gottes eintritt nicht bloß aus einer Beobachterperspektive. Im konkreten Annehmen der geschenkten Erlösung von Ostern her ist es auch für mich eine Begegnung mit Christus. Auch am Ende meines Lebens hier auf Erden stehen somit nicht bloß einzelne Dinge wie Tod und Gericht, Himmel oder Hölle. Im Blick Jesus Christus werde ich die einzelnen Begegnung anschauen und seine Gegenwart sehen. Ja Gott kennt mich, besser als ich mich selbst, denn er begegnet mir in Liebe und schenkt mir sein Vertrauen.

Johannes Hofer
Kaplan