Fronleichnam – bin ich eine Monstranz aus Fleisch und Blut?

Ich habe die aufwendig üppigen Fronleichnamsprozessionen meiner Kindheit geliebt. Wir Kinder in den weißen Erstkommunionkleidern, blumenstreuend vor der goldenen Monstranz unter dem Himmel, der von den Trägern getragen wurde. Dazu die Blasmusik, die Goldhaubenfrauen, Fahnenträger, geschmückte Altäre und Fenster mit Blumen und Kerzen. Aufwendig, üppig, sinnenreich, verschwenderisch, farbenfroh, Schöpfungsfreude pur, ein Freudenfest.

Aber heuer haben wir in Coronazeiten eher sparsam und karg gefeiert. Mir wurde bewusst, dass ich heuer mein „Goldenes Kommunionjubiläum“ feiere. 50 Jahre nachdem ich im weißen Kleid, mit Lockenwicklerlocken  zum ersten Mal zur Kommunion ging. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, was ich damals fühlte, als ich am angeblich schönsten Tag des Christenmenschen die Kommunion empfing und Gott „unter mein Dach einging“.  War ich enttäuscht, dass es nur nach einer faden Oblate schmeckte, dass ich innerlich nicht verwandelt wurde? In  der Zwischenzeit ist ein halbes Jahrhundert vergangen und ich habe hochgerechnet, dass ich ca. 5000 Mal die Kommunion empfangen habe. Manchmal meditativ andächtig, manchmal lustlos. Verstehe ich heute mehr, als damals als Erstkommunionkind? Hat mich der Kommunionempfang gewandelt? Bin ich eine Monstranz aus Fleisch und Blut?  Gott in mir, Gott in dir. Lebt Gott in mir versteckt oder mache ich ihn sichtbar, trage ich ihn hinaus in die Welt. Ist jeder Weg nach dem Empfang der Kommunion eine Prozession auf den Wegen dieser Welt?

 

 

Fotos: Andrzej Gorgol
Text: Birgit Raffelsberger