Gedanken zum Jahresende

Veröffentlicht: 31. Dezember, 2020 / 17:53 ims 0

Ich begrüße Sie sehr herzlich am Silvestertag. Heute verabschieden wir das Jahr, das für uns alle eine Herausforderung war. Einiges was uns belastet hat, lassen wir los. Alles, was wir neu entdeckt haben, nehmen wir mit, um es weiter zu entwickeln.

Dieses vergangene Jahr möchte ich mit drei Symbolen beschreiben:

Kopfhörer – es ist still geworden im März. Die Stimmen der Kinder, die in der Früh die Schule besuchten, sind verstummt. Am Abend hatte ich oft das Gefühl, dass der Stadtteil ausgestorben ist. Keine Autos zu hören, keine Schritte von Menschen, die spazierengehen. Nur die Glocken der Kirche zum Gebet um 20:00 Uhr klangen wie Lebensgeister in einer Zeit der Lebensbeschneidung. Heute  lege ich die Kopfhörer in die Hände Gottes. Wir haben gelernt, die Covidpandemie ernst zu nehmen, aber auch mit ihr ohne den Schreck der ersten Stunde umzugehen. Dafür danke ich Gott.

Die Gemeinschaft lebt vor allem aus den Begegnungen. Zerfällt sie, wenn diese nicht möglich sind? Die Pfarrkerze, die wir gewöhnlich CTK-Kerze nennen und die vor allem ein Zeichen unserer Sorge für die in Notgeratenen in unserer Pfarre ist, war in dieser tristen Zeit ein Verbindungsglied zwischen den Menschen, die sich zu unserer Gemeinde bekennen. Ihr Licht war ein Zeichen dafür, dass ich nicht alleine bin, weil es viele sind, die dieses Licht immer wieder anzünden, um sich von der Dunkelheit nicht besiegen zu lassen. Heute lege ich sie in die Hände Gottes und danke Gott dafür.

Handy – oft eine verhasste Erfindung, wenn es gerade dann läutet, wenn man es nicht brauchen kann. Das Handy vermittelt manchmal das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, ständig in den Diensten für die anderen zu stehen. In den letzten Monaten war es ein Segen für viele Menschen. Als man sich nicht sehen konnte, war es möglich, sich zumindest zu hören. Diese Zeit machte vielen bewusst, wie wichtig die Pflege der Kontakte ist. Es ist auch klar, dass nicht das Gerät an sich ein Problem darstellt, sondern sein Besitzer, der Umgang damit. Heute lege ich es in die Hände Gottes und danke für viele Menschen, mit denen ich verbunden bin.

Video der Gedanken zum Jahresende auf dem Youtube-Kanal unserer Pfarre

Slawomir Dadas
Pfarrer