Gottesbilder

Liebe Gemeinde,

Wenn ich in der Schule das Thema Gottesbilder in den ersten Klassen durchmache, dann lese ich ihnen dabei gerne das Bilderbuch „Gott ist wie Himbeereis“ vor. Zu Beginn lese ich nur den Titel und frage etwas überspitzt: „Stimmt das denn? Ist Gott wirklich wie Himbeereis?“ Die Kinder lachen da meist auf und ich höre den einen oder anderen empörten Nein! Ruf.

Dann beginne ich erst zu lesen. An einer Stelle ziemlich am Anfang des Buches heißt es dann: „Gott ist zwar nicht wie Himbeereis, aber ist wie das Gefühl, dass du hast, wenn du Himbeereis isst.“ Ich finde diesen Vergleich als Anhaltspunkt für Kinder immer sehr ansprechend: Gott ist wie alles was mich glücklich macht. Dass sind im Buch das Stofftier und der Sommerregen. Und schließlich wird auch die Frage gestellt, wo Gott ist wenn man traurig ist. Hier wird der Vergleich mit der Luft herangezogen – die Luft, die immer da ist obwohl wir sie nicht sehen. In für Kindern verständlicher Sprache wird gesagt: „Gott ist da. Gott ist immer bei dir.“ Eine schöne Zusage, die auch uns Erwachsenen gut tut.

„Gott ist da. Gott ist immer bei dir.“

Erst nach dieser Geschichte betrachten wir verschiedene Gottesbilder aus der Bibel. Und diese sind vielfältig und bunt.

In der Bibel wird Gott beschrieben
als König und Hirte,
als Schöpfer der Welt und der Menschen,
als Fels und Licht,
als Arzt und Gärtner,
ja, sogar Gott als Adler- oder Bärenmutter
um nur ein paar der zahlreichen Bilder zu nennen.

Es ist menschlich, dass wir Bilder brauchen, damit wir etwas besser verstehen können – damit es greifbar wird. Dabei ist es jedoch wichtig zu bedenken, dass ein Bild nie ganz Gott gerecht werden kann. Gott ist immer mehr, Gott geht immer über jedes Bild hinaus. Ein Bild alleine genügt nicht, ein Bild ist zu wenig, ein Bild alleine lässt keine Weiterentwicklung zu.

Und: Nicht mit jedem Bild kann jeder etwas anfangen. Ein Bild das mir hilft, kann ein Bild sein, dass jemanden anderen verstört – aus welchen Gründen auch immer. Wir Menschen sind unterschiedlich und auch in uns wohnt eine Vielfalt.

Nehmen wir nur das Bild des Königs her. Sehe ich da einen König, der beherrscht, die Menschen unterdrückt und bestraft? Oder sehe ich einen König, der gerecht ist und dafür sorgt, dass jeder genug hat. Oder sehe ich gar einen ganz anderen König, der auf einen Esel in die Stadt einreitet?

Wir sehen, in diesem Bild alleine liegt eine Palette von Deutungsmöglichkeiten und je nachdem welchem Bild des Königs ich gerade persönlich nachgehe wird mein Bild von Gott sich ver-ändern. Den Bildern nachzuspüren, ist daher wichtig, sie ebenso mit Bedacht zu verwenden notwendig und sie immer wieder aufs Neue zu reflektieren angebracht.

In der heutigen Lesung aus dem zweiten Timotheusbrief haben wir gehört, dass wir uns dabei auf die heilige Schriften verlassen können, dass wir auf sie vertrauen können durch den Glauben an Christus Jesus.

Auch Jesus –  als Sohn Gottes in dem uns Gott ganz nah gekommen ist – verwendet zahlreiche Bilder, Gleichnisse und Parabeln um Gott zu beschreiben.

Gott als der Hirte, der das verlorenen Schaf suchen geht, selbst wenn es nur ein Einziges von 99 andern ist.
Gott als der gütige Vater, der seinen verlorenen Sohn wieder aufnimmt, selbst wenn dieser an seiner Existenz gescheitert ist und sich selbst nicht mehr würdig empfindet von diesem überhaupt noch aufgenommen zu werden.
Oder auch Gott als die Hausfrau, die sich über ihren wiedergefundenen Drachmen freut und allen in Freude darüber erzählt.

Wir sehen, die Thematik ist vielfältig und es werden viele Bücher zu diesem Thema geschrieben.

Am Ende bleibt jedes Bild von Gott dennoch nur ein bescheidener Versuch das Unbeschreibliche zu beschreiben und sich dem zu Nähern, was Gott für uns – für mich ist.

Stefanie Seiler, Seelsorgerin