Predigt zum Fest der Heiligen Familie

Früher, da war alles besser. Diesen Satz hört man all zu oft. Ich wage zu sagen: Früher gab es ganz ähnliche Probleme, wie heute auch. Am Fest der Heiligen Familie möchte ich dabei ins besonders die Familie in den Blick nehmen.  In dieser gab es früher genauso Herausforderungen wie heute.

Die Bibel kann uns dabei Beispiele geben.

Schon bei Abraham lesen wir, wie schwierig sich das Familienleben gestalten kann. Abraham, so würden wir heute sagen, hatte eine Patchworkfamilie.
Wir lesen in der Bibel: Abraham ist mit Sara verheiratet. Sara kann keine Kinder bekommen. Abraham nimmt sich also eine Zweitfrau – Hagar – auch auf Anraten von Sara um einen Erben zu haben. Als Hagar nun aber ein Kind bekommt ist Sara eifersüchtig und behandelt sie schlecht – so schlecht das Hagar wegläuft. Ein Engel spricht Hagar Mut zu und sie kehrt zurück.

Ähnliche Verletzungen und Eifersüchteleien gibt es heute sicherlich genauso.

Bei Jakob und Essau lesen wir wiederum, wie die zwei Zwillinge schon im Mutterleib miteinander kämpfen und wie sie im ständigen Wettstreit zueinanderstehen. Ja, wir lesen von Betrug und Zerwürfnissen, als es um das Erbe und den Segen des Vaters geht.

Streitereien, wie wir sie vielleicht auch aus unseren Familien kennen – vor allem wenn es ums erben geht.

Im Evangelium hören wir, wie Josef ganz auf den Engel des Herrn hört.

Schon zuvor hat dies Josef getan.
Den zunächst wollte Josef sich in Stille von Maria trennen, als er erfuhr, dass sie schwanger war und ein scheinbar uneheliches Kind erwartete. Ein Engel erscheint ihm in Traum und sagt ihm, dass er bei Maria bleiben soll, dass das Kind vom heiligen Geist ist und Maria nichts Unrechtes getan hat,
Wen man bedenkt, was ein uneheliches Kind noch vor gar nicht langer Zeit für eine Frau bedeutet hat, dann ist die Entscheidung Josefs, doch bei Maria zu bleiben und nach damaligen Recht Jesus als sein Kind anzuerkennen, ganz etwas besonders. Mit oder ohne Engel im Traum.

Josef nimmt Jesus ganz an, er steht Maria bei und sagt Ja zu der Verantwortung auch wenn er vielleicht nicht genau weiß, worauf er sich da eigentlich einlässt.

Auch heute sagen viele Menschen ja zu Kindern, die nicht die eigenen sind. Nehmen sie an wie sie sind.

Dies sind nur drei Beispiele aus der Bibel, die heute fast genauso passieren könnten.

Und schließlich haben wir Jesus, dem im Markusevangelium gesagt wird, dass seine Familie kommt – seine Mutter und seine Brüder. Doch Jesus fragt seine Anhänger, wer den seine Mutter und seine Brüder seinen, sieht alle Menschen um sich an und gibt selbst die Antwort: „Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

Somit wird bei Jesus Familie neu gedacht, wir sind alle Geschwister im Glauben.

Wir können Familie in anderen finden, ohne dass wir mit den Menschen verwandt sind. Familie, das soll Gemeinschaft, einander mit Güte, Demut, Milde und Geduld begegnen, sein.

Früher, da waren die Dinge anders – aber auch nicht so anders, wie wir manchmal glauben wollen.

Stefanie Seiler, Seelsorgerin

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